Montag, 16. September 2013

REVIEW: THE ROPE MAIDEN (Guy Pearce, 2013)





Eine junge Japanerin läuft nichtsahnend über die Straße, als sie plötzlich von einem maskierten Mann überfallen und gekidnappt wird. Guy, der Kidnapper der jungen Frau, ist ein Psychopath, der in einem Keller Tutorials über das Umbringen junger Frauen dreht. Auch seine “Rope Maiden“ wird den Videodreh nicht überleben…


REVIEW: DER LEICHENVERBRENNER (1968, Juraj Herz)





Tschechien zur Zeit der Besetzung durch die Nationalsozialisten: Karl Kopfrkringl ist Leiter eines Krematoriums und ein sauberer, moralischer Biedermann: er trinkt und raucht nicht, liebt seine Frau und seine beiden Kinder über alles auf der Welt und seine Arbeit erledigt er mit dem größtmöglichen Maß an Fleiß und Verantwortung. Doch in Karls biederer Welt findet etwas Neues, Böses Einzug, als die Nationalsozialisten anfangen, Karl für ihre Sache anzuwerben. Obwohl seine Frau Jüdin ist, lässt Karl sich von den Nazis beeinflussen und bekennt sich zu seinem angeblich deutschen Blut. Doch um die Welt besser machen zu können, muss er zuerst einige Menschen in seinem Umfeld von ihrem Leid erlösen.





“Der Leichenverbrenner“ des Tschechen Juraj Herz, welcher 1968 veröffentlicht wurde und in schwarz weiß gedreht wurde, ist ein meisterhaft in Szene gesetztes Kunstwerk, das auf so vielen Ebenen funktioniert, dass ein einmaliges Anschauen nicht einmal im Ansatz reicht, um alle Anspielungen und Motive zu verstehen. Der bitterböse Humor, die makabre, todesverliebte Optik und die immer groteskere Haken schlagende Geschichte, alles ist auf so eine durchdachte und überwältigende Art verwirklicht worden, dass man “The Cremator“ einfach nur als zeitloses Meisterwerk sehen muss. Doch was genau macht diesen Film so herausragend und aus welchem Grund hat sein kafkaeskes Feeling auch noch über 40 Jahre nach seiner Entstehung keinen Funken seiner Wirkung verloren? 


Sonntag, 15. September 2013

REVIEW: BLUTNACHT 1 UND 2 (Jochen Stephan, 1999/2009)









Jochen muss auf dem Weg zu einer Party feststellen, dass seine Freundin ihn offenbar mit seinem besten Freund betrügt. Wutentbrannt läuft er über die Straße und wird dabei von einem Auto überfahren. Doch der Hass, den er in sich trägt, lässt ihn nicht in Frieden ruhen und so verwandelt er sich in einen Dämon, der mordend durch die Stadt zieht und jeden liquidiert, der ihm in die Quere kommt.

20 Jahre nach diesen Ereignissen fährt Alex mit 5 Freunden zelten. Die sechs Freunde wissen jedoch nicht, dass der Geist des Dämons von einigen Satanisten wiedererweckt worden  und wieder von den Toten auferstanden ist, um weitere Seelen zu sammeln. Was als Sauf- und Flirtgelage beginnt, endet in einem Blutbad.





Die beiden Blutnacht Filme von Regisseur Jochen Stephan haben zwar schon einige Jahre auf dem Buckel (der erste Teil ist sage und schreibe 14 Jahre alt), aber dennoch erfreuen sie sich in Insiderkreisen derzeit größter Beliebtheit. Neben der Tatsache, dass es sich bei den beiden “Blutnacht“ Teilen um sehr gelungene deutsche Amateur-Splatterkost ala Violent Shit, Knochenwald und Co. handelt, haben wohl auch die immensen rechtlichen Probleme, die die Filme nach sich zogen, ihren Teil zum guten Ruf im deutschsprachigen Underground beigetragen. Trotz der bedauernswerten Zensurgeschichte sind die Blutnacht Filme nicht tot (und unterliegen auch keinem Verbreitungsverbot), sondern flimmern über beachtlich viele Bildschirme von deutschen Amateursplatter Fans. Die Resonanzen sind durchweg positiv und so haben sie sich innerhalb der Splatterszene zu echten Geheimtipps entwickelt, welche sogar in hochkarätigen Heften wie “Virus“ und “X-Rated“ besprochen wurden.


Zeitungsartikel über "Blutnacht"

Samstag, 14. September 2013

REVIEW: DER LACHENDE VAMPIR (Manga, Suehiro Maruo)






Rakuda Onna ist eine jahrtausendealte Vampirin, welche nach ihrer Hinrichtung als Untote durch die Welt zieht und sich vom Blut der Lebenden ernährt. Indem sie ihn von ihrem Blut kosten lässt, verwandelt sie den jungen Schüler Konosuke Mori ebenfalls in eine blutsaugende Bestie der Nacht. Doch Moris Weg ist ein schwerer und er realisiert erst nach und nach, was eigentlich mit ihm geschieht. Doch so sehr er sich auch sträuben mag, der Drang nach frischem Blut ist unstillbar.



Suehiro Maruo ist bekannt für sein visuelles Talent, die Atmosphäre, die er in seinen Mangas zu kreieren weiß und die mystisch bis märchenhaft angehauchten Geschichten, die er in ihnen erzählt. Aus seinen Bildern spricht die Schönheit alter Tage, eine Art rustikaler Zauber und eine ästhetische Sicherheit, wie sie in diesem Bereich bei so gut wie keinem anderen zu verzeichnen ist. Maruo’s Werke sind stark beeinflusst von der Dekadenz des Expressionismus und dem Ero-Guro, einer Spielart japanischer Zeichenkunst und Literatur, welche das Groteske mit dem Erotischen verbindet. Seine Werke verkörpern eine lang vergessene Schönheit, welche man aus alten, deutschen Filmklassikern kennt und dennoch sind sie voll von perversen Fetischen und Gewalt. Ob Suehiro Maruo ein Gewaltfetischist ist, der die expressionistischen Tugenden hochhält, oder ein Expressionist mit einem Fetisch für Gewalt, liegt in den Augen des Betrachters. Fakt ist jedoch, dass Maruo Schönheit und Hässlichkeit zu etwas Beeindruckendem verknüpfen kann. Die gewaltschwangere Geschichte von “Der Lachende Vampir“ vermischt Maruos Stil mit einigen Horrorelementen, etwas das, trotz seinem Hang zu extremen Themen, nicht besonders gewöhnlich für sein Schaffen ist. Das Ergebnis ist ein sehr interessantes.


Donnerstag, 12. September 2013

REVIEW: SINGAPORE SLING (Nikos Nikolaidis, 1990)







Ein verletzter Mann kriecht aus seinem Wagen und sieht vor sich ein großes, abgelegenes Haus. Zeitgleich vergraben zwei Frauen, Mutter und Tochter, im Garten dieses Haus die Leiche ihres alten “Chauffeurs“. Nichtsahnend schleppt sich der verwundete Mann im Trenchcoat an die Tür des Hauses, klingelt und wird von der Tochter hineingelassen. Er ahnt nicht, dass er somit ein Teil der kranken Psycho- und Rollenspiele wird, die Mutter und Tochter durchgehend miteinander spielen. Die beiden verrückten Frauen bringen sich selbst in den Krimi ein, aus dem der Mann, den sie “Singapore Sling“ taufen, zu kommen scheint und hierbei  sind sie gewillt, bis ans Äußerste zu gehen.



“Singapore Sling“ ist so eigensinnig, wie er eigenartig ist. Dieser spleenige Beitrag aus Griechenland, welcher übrigens in schwarz/weiß gedreht wurde, ist schon seit längerem ein Geheimtipp unter Freunden des schwer zugängigen Films und das nicht ohne Grund. “Singapore Sling“ ist sicherlich alles andere als leicht verdaulich was einige sehr anstößige Szenen und die wirre Handlung angeht, offenbart aber Qualitäten, welche man in dieser Form aus den wenigsten Filmen kennt. Eins kann dem Film sicherlich keinesfalls absprechen: Unverwechselbarkeit.


Mittwoch, 11. September 2013

REVIEW: KAFKA (Graphic Novel; Robert Crumb/David Z. Mairowitz)






Franz Kafka dürfte so ziemlich jedem ein Begriff sein, der sich jemals in seinem Leben mit deutschsprachiger Literatur befasst hat. Zwar sind “Der Prozess“ und andere Werke Kafkas nicht unbedingt beliebt bei Schülern (und oftmals sogar Lehrern), doch sein Status als Visionär und großer Künstler ist unangefochten. Kafkas Roman(fragment)e und Kurzgeschichten sind bizarr, nahezu morbide, düster, kryptisch und surreal. Sein unverkennbarer Schreibstil lässt seine Werke phantastisch und realistisch zugleich erscheinen, ein Stil, den man nur mit einem Wort beschreiben kann: kafkaesk. Zahlreiche surreale Künstler im Bereich Film, bildende Kunst und Musik nahmen sich Kafkas Themen an, oder wurden zumindest von seiner Ästhetik mehr als merklich beeinflusst, doch niemals hat jemand etwas geschaffen, das Kafkas Lebenswerk ebenbürtig wäre oder es sogar übertreffen könnte.





Einer der Gründe für die Qualität und Eigenartigkeit von Kafkas Lebenswerk ist die Art, in der er persönliche Neurosen, Ängste und Erfahrungen in seine Geschichten hat einfließen lassen. Auch wenn Kafkas Werke für sich betrachtet grandios sind, entfalten sie ihre wahre Wirkung erst dann, wenn man die Person Franz Kafka kennt. Die Graphic Novel “Kafka“, die von David Zane Mairowitz geschrieben und von Robert Crumb illustriert wurde, hat es geschafft, Person und Werk auf geniale Weise zu verknüpfen. Halb als Biographie, halb als Adaption seiner bekanntesten Geschichten angelegt, ist “Kafka“ das Beste aus zwei Welten: die biographische Aspekt wurde auf das Wesentliche reduziert und die Geschichten auf ihre aussagekräftigsten Szenen verkürzt.


Sonntag, 8. September 2013

REVIEW: IM GLASKÄFIG (OT: Tras el Cristal, 1987)





Im zweiten Weltkrieg war Klaus ein sadistischer KZ Arzt, der kleine Jungen missbrauchte und sie dutzendfach mit Injektionen in den Brustkorb umbrachte. Heute wohnt Klaus mit seiner Frau und seiner Tochter im Exil, beide wissen nichts von seiner Vergangenheit. Seit einem Unfall liegt Klaus in der eisernen Lunge. Fällt sie aus, stirbt er. Der junge Angelo betritt eines Tages das Haus und bewirbt sich um den Posten des Krankenpflegers. Angelo weiß von Klaus‘ Vergangenheit und ist fasziniert von den Gräueltaten, die Klaus begangen hat. Gemeinsam begeben sich Klaus und Angelo in die tiefsten Abgründe menschlicher Begierde, doch Klaus ahnt nicht, wie weit Angelos Faszination für das Leid und den Tod Anderer geht und aus welchen Motiven er wirklich handelt…






Das spanische Drama “Tras el Cristal“, welches 1987 von Agusti Villaronga inszeniert wurde, ist zweifelsohne einer der unangenehmsten Filme über Sadismus, Macht und Perversion, welche jemals gedreht wurden. Die Geschichte um den pädophilen Lagerarzt Klaus und dem Machtspiel, das sein junger Pfleger mit ihm spielt, ist zum einen als beklemmendes Kammerspiel, zum anderen als Charakterdrama angelegt. Das Ergebnis ist ebenso mitreißend, wie es verstörend ist.