Mittwoch, 13. November 2013

INTERVIEW: LUCIFER VALENTINE (deutsche Übersetzung)





Lucifer Valentine ist einer dieser Künstler, bei dem Werk und Person quasi untrennbar sind. Seine Vomit Gore Filme sind furchteinflößende, pornographische, künstlerische Gewaltfantasien, die von manchen abgöttisch verehrt und von anderen bis auf den Tod verachtet werden.



Der äußerst sympathische, ausgeglichene Lucifer Valentine, hat sich hier in einem seiner ausführlichsten Interviews aller Zeiten lang und breit zu seinen Filmen, seiner Person, seinem satanischen Glauben und seinem neuen Film VG4 geäußert. Das gesamte Interview in deutscher Übersetzung gibt es hier zu lesen:




TM: Grüß dich, Lucifer! Zunächst einmal danke für das Interview. Für die, die dich noch nicht kennen: wer bist du und was gibt es über dich zu wissen?
LV: Haha, hallo! Hmm… nunja, ich bin Lucifer Valentine und ich bin Filmemacher und Künstler. Ich fertige gerne Zeichnungen, Filme und Sound Designs an.



TM: VG 4 wurde ja schon vor einiger Zeit angekündigt. Ist der der Prozess des Filmens schon abgeschlossen? Bist du vielleicht gerade mitten in der Post Production Phase? Kannst du abschätzen wann deine Fans den neuen Teil in der Hand halten können?
LV: Ja, ich bin mit dem Filmen von VG4 fertig und bin gerade mitten in der Post Production. Ich bin die letzte Zeit über viel in abgelegene Orte gereist und konnte mich nicht an einen normalen Computertisch setzen und den Film zusammenschneiden, also bin ich froh darüber, dass ich ihn jetzt fertigstellen kann. Ich hoffe, dass die Fans VG4 in ca. 6 Monaten oder weniger in den Händen halten können.





TM: Bis jetzt hatte jeder Teil der Vomit Gore Reihe seine eigene Identität und seinen eigenen künstlerischen Stil. Wie wird der vierte Film? Wirst du das weiterführen, was du mit „Slow Torture Puke Chamber“ begonnen hast, oder gehst du vielleicht in eine ganz andere Richtung? 
LV: Haha, naja, ich kann gerade nichts allzu Genaues über VG4 sagen, aber ich würde mit Sicherheit behaupten, dass er seine eigene künstlerische Identität innerhalb meines Schaffens und den Vomit Gore Filmen hat. VG4 ist ein weiterer Sturzflug in die abstoßenden und geschundenen Dimensionen und Katakomben des Todes des „verlorenen Mädchens“ und deckt immer mehr erschreckende Puzzlestücke des Charakters „Angela Aberdeen“ auf.



TM: Bis jetzt wurde die Vomit Gore Saga als Trilogie wahrgenommen. Wird diese Trilogie durch diesen vierten lediglich erweitert oder siehst du die ersten drei Teile als abgeschlossenen Kreis und den Vierten als Beginn einer neuen Ära? 
LV: Ich sehe VG4 als eines der Paralleluniversen an, welche sich inmitten der Vomit Gore Trilogie befinden und aus ihr entwachsen. Die Ereignisse in VG 4 finden zur selben Zeit statt, wie alles was sonst noch in der Trilogie passiert. Dennoch wirkt er, chronologisch betrachtet, wie ein Fortsatz der Trilogie, da ich ihn „nach“ den ersten drei Filmen herausbringe. Jedoch trägt sich alles exakt zur gleichen Zeit zu, Zeitangaben, Datum und Ort spielen keine Rolle.





TM: Dein erster Film „Slaughtered Vomit Dolls“ könnte als realistischster Vomit Gore Film gesehen werden, da er eine Art Dokumentation der Zeit ist, die du mit Ameara LaVey verbracht hast. Was kannst du rückblickend über diese Zeit sagen? Hast du gute Erinnerungen?
LV: Ja, ich habe sehr gute Erinnerungen an die Zeit, in der ich Amearas Freund und  Dom (der dominante Part in einer sadomasochistischen Beziehung, Anm. d. Übers.) war. Sie und ich, wir haben uns sehr viel bedeutet und haben bis zum heutigen Tag eine sehr starke Verbindung zueinander, da unsere gemeinsame Zeit eine Erfahrung war, die mein Leben verändert und mich emotional sehr berührt hat.



TM: SVD zeigt sehr viel Verzweiflung, gewalttätigen Sex und Emotion. Wie viel davon ist inszeniert? Ist alles absolut echt?
LV: Die Verzweiflung, der gewalttätige Sex und die Emotionen wurden in SVD nicht gestellt.





TM: “ReGOREgitated Sacrifice” ist eine wahre Achterbahnfahrt voller abstoßender, perverser Bilder. Hast du diesen Stil gewählt um ihn vom ersten Teil abzugrenzen?
LV: Danke! Nun ja, ich suche in meinen Filmen nicht wirklich einen Stil aus, weil es kein „ich“ gibt, das diese typischen „Filmemacher“ Entscheidungen trifft. Die Filme kreieren sich in Wahrheit selbst und zwar auf genau die Art, in der sie sein müssen. Ich bin da um die Filme etwas zu an der Hand zu führen und ihnen eine gewisse Form zu verleihen, jedoch sind sie immer eine Anhäufung von vielen, sich überschneidenden Umständen, freundschaftlichen Beziehungen und den tiefen Emotionen und Zusammenhängen, welche gewöhnlich von innerer Trauer, Dunkelheit und Selbstzerstörung ausgehen. Und ich bin da um diesen Geist auf Film einzufangen.



TM: Was waren die Beweggründe um ein Sequel zu SVD zu machen? Es scheint so, als wolltest das SVD Konzept in einem anderen (intensiveren) Licht dastehen lassen. Ist dies der Fall?
LV: Ich habe aus Zufall durch einen Freund die Black Angels of Hell Zwillinge getroffen und war noch sehr eng mit Ameara und Hank Skinny befreundet. Zu der Zeit hatte ich auch noch weitere Freunde, die in der Hardcore Porno Industrie tätig waren, so zum Beispiel Isabelle Styles, Honey, JJ und Amy Lee. Also begann ich aus den Gesprächen mit ihnen und ihrem Leben Charaktere entwachsen zu sehen und fing an zu sehen, wie diese mit den Themen um den Charakter Angela Aberdeen zusammenhängen könnten. Aber meine Filme basieren eigentlich auf zufälligen Begegnungen, meinen bisherigen Freundschaften und die Art in der wir durch unsere unterbewussten und instinktiven Verbindungen aus Trauer und Dunkelheit alle auf natürliche Art voneinander angezogen werden





TM: RS hat etwas sehr Surreales an sich. Welche Wirkung wolltest du erzielen? Manche würden den Stil vielleicht als eine Mischung aus der exzentrischsten optischen Kunst, die man sich vorstellen kann, und moderner Internet Pornographie sehen.
LV: Also ich finde, dass das ein echt cooles Kompliment ist, da meine Kunst als sehr exzentrisch angesehen wird und ich in den Zeiten der Internetpornographie großgeworden bin, also ergibt das Sinn. Eigentlich gab es keine bewusste Herangehensweise und ich habe mir auch nichts dabei gedacht, haha. Außer dass ich verständnisvolle, tolle und talentierte Freunde habe, die bereit sind tief in sich hineinzuschauen und sich in ihren Darstellungen wirklich zu verausgaben. Also trifft man sich einfach und lässt alles geschehen, während ich filme.



TM: Aus welchem Grund erwähnst du Kurt Cobain?
LV: Kurt Cobain ist ein Charakter in allen von meinen Filmen. Das hat angefangen als ich einige Jahre nach seinem Tod vor seinem Haus in Seattle stand. Ich hatte zu dieser Zeit gerade angefangen, mit Ameara auszugehen und sie zu filmen (obwohl ich nicht wusste, dass das Filmen zu SVD werden würde) und ich war wie gelähmt und starrte in tiefster Trauer auf sein Haus, als Ameara LaVey mich von Kanada aus auf meinem Handy anrief und mich fragte, wann ich zurückkommen und sie filmen würde. Und plötzlich konnte ich eine echte Verbindung zwischen Ameara und dem Geist des Todes von Cobain spüren. In diesem Moment wurde der Charakter Angela Aberdeen geboren, da Aberdeen (Washington) der Geburtsort von Cobain ist. Demzufolge ist sie der „Angel of Aberdeen“.





TM: “Slow Torture Puke Chamber” legte mehr Wert auf seine Hintergrundgeschichte und seinen Hauptcharakter. Was hat dich veranlasst das so zu handhaben? Hattest du das Gefühl, dass du RS nicht hättest toppen können, was graphische Darstellungen angeht?
LV: Ich habe die wundervolle Hope Likens kennengelernt, als sie mich online anschrieb um mir zu sagen, dass sie ein großer Fan von SVD ist. Sie und ich haben eine tiefe Verbindung zueinander geknüpft, was Themen, Ideen und Erfahrungen mit Missbrauch und Inzest im Bezug auf den Charakter Angela Aberdeen angeht. Da Hope auch eine extreme Bulimikerin war, war sie quasi eine Verkörperung Angelas und daraus entstand STPC. Hope kam mich besuchen und ich filmte alles, was wir zusammen taten. Ich vergleiche meine Filme nicht untereinander, was den Grad an Gewalt und Extremität angeht. Obwohl meine Filme miteinander zusammenhängen, ist jeder innerhalb seines individuellen Kontextes zu betrachten und die Extremität des Inhaltes und der Themen ergibt sich von alleine, da sie gleichbedeutend mit den äußeren Umständen, die dem Filmen zugrunde liegen und der Beziehung zu meinen Darstellern ist.



TM: Es gibt nur eine richtige Goreszene in STPC, welche jedoch ziemlich umstritten ist und einigen Zuschauern zu viel war. Welche Idee liegt ihr zugrunde?
LV: Die Fötus Massaker Szene repräsentiert den ewigen Kreislauf des Missbrauchs von Angela Aberdeen. Ihre Existenz wird quasi dem Mutterleib entrissen, vergewaltigt, gefoltert, verschlungen, zunichte gemacht und zurück in den Mutterleib erbrochen um den Zyklus von neuem zu beginnen. Wir sehen wie sie ab dem ersten Atemzug ihres schrecklichen Lebens bis zu ihrem grausamen, vollgekotzten Tod abgeschlachtet und zerstört wird. Shari Caruso, eine brandneue, noch nie zuvor gesehene Angela, trägt Angela als Baby, welches ihrem Leib entrissen wurde (im Bezug auf Ameara LaVey in RS, welche wirklich schwanger war) und trägt somit auch die nächste Version von ihr. Dies soll zeigen, dass Angela der Archetyp eines verlorenen Mädchens ist, welches in ihrem Leben keine andere Wahl als extreme Verzweiflung und Schmerz hatte und in jedem weiblichen Körper existieren kann, da sie schon vor der Geburt diesen schmerzvollen, endlosen Zyklus durchschritten hat.





TM: Die Hintergrundgeschichte von Hope Likens’ Charakter ist ziemlich klischeebeladen (der Vater, der sie missbrauchte etc.), aber stellt die Klischees dennoch in einer etwas anderen Art als gewöhnlich dar. War dieses Spiel mit Klischees beabsichtigt?
LV: Hopes Dialog in STPC basiert auf vielen Gesprächen zwischen ihr und mir über die Themen, welche mit Angela zu tun haben. Aber ihre Darstellung und Dialoge passierten spontan, da Hope auf wundervolle Art Angela vor der Kamera verkörpert hat, als ich sie filmte.





TM: „Black Metal Veins“ dreht sich um einige Heroin Junkies und das Leben, das sie leben. Wieso hast du dir dieses Thema ausgesucht? Interessieren dich Drogen generell?
LV: Ich freundete mich online mit Brad Allen an nachdem er mich kontaktierte um zu sagen, dass er ein Fan von SVD sei. Durch unsere Unterhaltungen habe ich erfahren, dass er ein Heroin Junkie ist und ab da nahm alles seinen Lauf. Das Thema hat sich mich ausgesucht.



TM: Du hast dich dazu entschlossen BMV durch einige Darstellungen von Sex, insbesondere der Vergewaltigungen einer semi-bewusstlosen Frau, aufzupeppen. Wenn ich mich recht entsinne, sagtest du, dass diese Szenen gestellt seien. Ist dies mit der Idee eines Dokumentarfilms vereinbar? Siehst du BMV überhaupt als reine Doku?
LV: Nichts ist gestellt, da BMW nicht als Dokumentation im klassischen Sinne angelegt war. BMW entführt die Zuschauer in die Leben, Herzen und Gedanken von totalen Junkies und zeigt ihnen, wie höllisch verzerrt ihre Realitäten auf physische, mentale und geistige Art sein können, bis zu dem Punkt, an dem es seine eigene rabenschwarze Anziehungskraft voll Leid und Trauer aufbaut, in der der Film angelegt ist.





TM: Du benutzt das Pseudonym Lucifer Valentine. Welches Konzept liegt ihm zugrunde?
LV: Lucifer Valentine ist ein Charakter aus SVD und Angelas imaginärer Freund, der von mir gespielt wird. Angela erschafft mich in ihrem Herzen um sich selbst zu trösten und auf ihrem Pfad durch die Hölle einen Führer zu haben. Der Charakter ist zugleich eine dominante Vaterfigur und ein unschuldiger, kindlicher Freund.



TM: Wie ich höre wurdest du in der Vergangenheit oftmals bedroht und hast sogar Morddrohungen erhalten. Was für Leute haben dich bedroht und wie ernst hast du sie genommen?
LV: Darüber möchte ich lieber nicht sprechen. Jedoch möchte ich sagen, dass ich mich teilweise gezwungen sah einige dieser Drohungen sehr ernst zu nehmen, da ich an manchen Orten körperlich bedroht wurde.







TM: Du bist praktizierender Satanist. Welche Form von Satanismus praktizierst du? Theistisch? LaVey Satanismus? Könntest du uns mehr über deine satanische Weltanschauung und die Rolle, die sie in deinem Leben spielt, verraten?
LV: Satan existiert im Satanisten selbst als Kern der Essenz seines Daseins. Der Satanist ist Satan und verkörpert einen grundlegenden, animalischen, tierartigen Instinkt, welcher von dunkler, spiritueller Energie und dämonischen, magischen Lebensformen geleitet wird. Es ist wie mit der Dunkelheit, die in einem brodelt und sich zu einem Gewitter verdichtet, oder der Dunkelheit in den Augen eines Wolfes oder Hais, der seine Beute jagt. Jedoch ist es eine geheime und oftmals unsichtbare Welt und diese Ansicht kann nur von denen verstanden werden, welche ähnlich veranlagt sind.



TM: Oftmals baust du blasphemische Bilder in deine Filme ein, zum Beispiel die Masturbation mit dem Kruzifix in STPC und vieles mehr. Inwiefern bist du anderen Religionen gegenüber intolerant eingestellt? Hasst du Christen?
LV: Haha, nein, ich „hasse“ ganz bestimmt nichts und niemanden. Um ehrlich zu sein benutze ich solche Wörter nicht mal, außer wenn ich mich auf ein Zitat beziehe, so wie jetzt. Nein, Hope und ich haben die „Crucifucking“ Szene in STPC ersonnen, um die selbe Szene mit Ameara in SVD fortzusetzen und sie mit ihr kombinieren zu können. Dies soll zeigen, dass quasi eine Existenz dieser beiden Angelas besteht (obwohl es eine unendliche Anzahl von Angelas gibt, zeige ich gerne zwei interagierende, so wie ich es mit Hope und Ameara in STPC tue). Eine eher wörtliche Repräsentation findet man in den am Kopf zusammengewachsenen Black Angels of Hell Zwillingen in RS, in STPC zeige ich, dass sie wie in der Quantenphysik superpositioniert ist und sich das selbe ereignet, losegelöst von chronologischer Zeit und in verschiedenen Existenzebenen zugleich, was eine Art von universeller Ideologie repräsentieren soll. Ursprünglich hat Ameara/Angela in SVD die Crucifucking Szene gemacht, weil sie als Kind von einem Priester missbraucht wurde und sie „logischerweise“ einen blasphemischen und doch selbstzerstörerischen Akt mit einem Kruzifix vollführen wollte, da ihr junger Geist und ihre Seele mit dem Schmerz und dem sexuellen Missbrauch nicht zurechtkam. Hopes Angela hat in STPC genau das Selbe getan.





TM: Du bist emetophil, was bedeutet, dass du dich von Erbrechen sexuell angezogen fühlst. Wie praktizierst du diese sexuelle Vorliebe in deinem Privatleben? Hast du noch andere Fetische? Findest du abartigen Sex interessanter/ansprechender als normalen?
LV: In meinem Privatleben lasse ich Frauen auf meinen Schwanz kotzen, was gewöhnlich dadurch hervorgerufen wird, dass ich meinen Schwanz in ihren Hals ramme. Dann „kotz-ficke“ ich sie, was bedeuten soll, dass ich sie in den Arsch ficke nachdem sie auf meinen Schwanz gekotzt hat. Ich bin ein extremer Domination Master, also finde ich an allem Gefallen, was mit der extremen Erniedrigung meiner Sklaven zu tun hat. Aus eigenen Erfahrungen kann ich nicht sprechen, wenn es darum geht zu sagen, ob ein entartetes oder ein normales Sexleben besser ist, da ich nie normales Sexleben hatte.



TM: Oftmals ist der Sex in deiner Kunst sehr gewalttätig, teilweise sogar geradezu grausam. Siehst du dich als sexuellen Sadisten an? Glorifizieren deine Filme sexuelle Gewalt? Bist du, wenn es um diese Sachen geht, eine Art Libertin im Sade’schen Sinne?
LV: Nunja, innerhalb einer extremen Herren/Sklaven Beziehung kann der Sex, den ich habe, als hochgradig sadistisch angesehen werden, was er auch ist. Ich habe ihn mit einvernehmlichen Sklaven, welche ein hohes Maß an Erniedrigung, sexueller Bestrafung und Entwürdigung lieben und brauchen. Jedoch läuft alles im Rahmen einer einvernehmlichen Herren/Sklavenbeziehung ab, in der der Sklave einen Vertrag unterzeichnet hat, in dem sie ihre Einverständnis und ihren Willen, an den Aktivitäten teilzuhaben, bestätigt. Sie hat ein Safe Word welches sie jederzeit benutzen kann um abzubrechen. Diesen, für beide Seiten erfüllenden, Beziehungen zwischen einverstanden Erwachsenen wohnt absolut keine Negativität inne.





TM: Deine Filme zeigen Frauen in absoluter Not, wie sie sich selbst verletzen und jeder möglichen Art von Missbrauch ausgesetzt werden. Bist du ein Misanthrop, dem es Spaß macht anderen Leuten Schmerzen zuzufügen? Vielleicht auch ein Frauenfeind? Wie stehst du zu Gewalt, die die Grenzen des einvernehmlichen Sex überschreitet?
LV: Alles, was ich in meinen Filmen und meinem Privatleben machen ist zu 100% einvernehmlich und nein, haha, ich würde nicht sagen, dass ich ein Misanthrop bin, ein Frauenhasser bin ich definitiv auch nicht und auch keines der anderen Bezeichnungen dieser Art. Vielmehr werde ich von den Leuten die mich kennen als der positivste, glücklichste und freudigste Mensch beschrieben, den sie je getroffen haben. Jedoch tauche ich in meiner Kunst gerne in extreme und dunkele Themen ein, da das mir stilistisch am besten passt und das, buchstäblich betrachtet, mich zeigt wie ich bin. So wie viele scharfes Essen und andere extreme Dinge mögen, z.B. Filme und Extremsportarten und andere wiederum nicht. Da ist es eigentlich nur eine Sache des persönlichen Geschmacks.



TM: Wie stehst du zu Pornographie? Bist du ein Freund davon? Ich erinnere mich daran, dass du mal von einem deiner Lieblingspornos erzählt hast, in dem ein Schwein Sex mit einer Frau hat. Was ist so faszinierend an extremer Pornographie? Betrachtest du sie als Kunstform oder nicht?
LV: Oh ja, ich betrachte Pornographie definitiv als Kunst, ganz besonders extreme Pornographie. Ich mag perverse, extreme, Tabusachen, da sie mich sehr stark inspirieren, besonders wenn man mir etwas zeigt, was ich noch nie zuvor gesehen habe. Ich mag auch extreme Pornographie, wie z.B. Sachen mit Kotzen, Scat, ein wenig Tierpornographie, z.B. Aal Pornos und natürlich Inzest Pornographie, insbesondere mit eineiigen Zwillingen, da das in mir als Zuschauer gewisse physische Reaktionen hervorruft. Oft findet man sowas natürlich automatisch im Pornogenre, aus mehreren Gründen.



TM: Wegen ihres extremen Inhalts haben deine Filme einige ziemlich extreme Reaktionen hervorgerufen. Manche hassen deine Filme (und dich als Künstler) sogar. Warum? Ist es eines deiner Ziele “normale” Menschen zu beleidigen? Macht es dir Spaß wenn du siehst, dass Menschen sich von deiner Kunst angeekelt fühlen, oder kommt das quasi von alleine?
LV: Ich erschaffe einfach die Form von Kunst, zu der ich mich auf natürlich Art hingezogen fühle und da ist es mehr egal, ob es irgendjemandem gefällt. Dennoch ist es sehr cool, dass ich einige Fans habe und ich weiß ihre Unterstützung und ihre Anerkennung sehr zu schätzen.





TM: Hast du “Vomit Gore” als Bezeichnung ersonnen um SVD zu klassifizieren oder existierte das Vomit Gore Konzept bereits vor SVD? Was war zuerst da: Konzept oder Film?
LV: Die Idee zu Vomit Gore kam mir als ich anfing, Ameara LaVey in unserer 24/7 Herren/Sklavenbeziehung  zu filmen: Ameara war meine Freundin und meine Sklavin und kurz nachdem ich sie traf und mit ihr zusammenkam, brauchte sie eine Bleibe, da ihr Vater sie rausgeschmissen hatte. Also sagte ich ihr, dass sie bei mir bleiben könne, unter der Bedingung, dass ich sie immer bei allem was sie tat filmen durfte. Da sie bereits meine Sklavin war, hatte sie keine Probleme damit, zuzustimmen. Und zu dieser Zeit, in der Ameara bei mir blieb und ich sie Tag und Nacht filmte, taten wir viele Dinge, zum Beispiel hatten wir emetophilen Sex und gaben uns Herren/Sklaven Erniedrigungen hin. Daraus wurden dann die ersten Szenen von SVD, der Charakter Angela Aberdeen und das Fundament dessen, was ich dann Vomit Gore getauft habe.



TM: Wie oben beschrieben, sind deine Filme sehr surrealistisch. Sollen die Zuschauer die metaphorische Bedeutung hinter einigen der Bilder selbst entschlüsseln? Ist das überhaupt möglich?
LV: Meine Filme sollen auf mehreren Ebenen funktionieren und den Zuschauer auf verschiedene Arten bewegen. Dies hängt viel von der Erwartungshaltungen und den Interessen des jeweiligen Zuschauers ab. Auf einer oberflächlichen Ebene können meine Filme einfach als extreme Gore Streifen angesehen werden, was vielleicht alles sein könnte, wonach ein gewisser Zuschauer sucht und das ist ok. Wenn man jedoch etwas tiefer in die verschiedenen emotionalen, symbolischen, metaphorischen, psychologischen und spirituellen Ebenen  eintauchen möchte (was ich empfehle), findet man in meinen Filmen natürlich ein multidimensionales Labyrinth voller tieferer Bedeutungen, Themen und Geschichten vor und zu diesem Zweck stelle ich auch sehr viel beigefügtes Extramaterial bereit.





TM: Wie du im Audiokommentar von SVD erzählst, ist die Beziehung zu deiner Schwester in deiner Arbeit sehr wichtig. Auf welche Art beeinflusst es deine Kunst? Möchtest du über die Beziehung sprechen?
LV: Die inzestuöse Beziehung zu meiner Schwester Cinderella ist der Grundstein meines gesamten Schaffens und der Grund, warum ich überhaupt erst mit dem Filmemachen angefangen habe. Ich filmte meine Schwester um sie etwas aus dem Kokon zu holen, in dem sie sich aufgrund ihrer autistischen Wahrnehmungsstörung befand, und da Filmen das einzige war, was geholfen hat, hat es sich bei mir als Form des Ausdrucks und des Erlebens meiner Umwelt eingebrannt und das ist auch der Grund, warum ich meine Freunde bis zum heutigen Tag filme.



TM: Wie stehst du zu Drogen? Hast du jemals welche genommen? Möchtest du irgendwelche Erfahrungen teilen?
LV: Nein, ich habe noch nie irgendeine Form von illegalen Drogen genommen.





TM: Wie sieht deine Planung nach VG4 aus? Könntest du dir vorstellen etwas total anderes zu machen? Wirst du weiterhin Vomit Gore Filme drehen?
LV: Tolle Frage! Ich habe genug Material aus meinen Reisen zusammen um zwei weitere Filme im Dokumentarstil zu drehen und ich werde bald anfangen, mich durch das Material durchzugraben.



TM: Das wars! Danke für das Interview. Irgendwelche letzten Worte?
LV: Vielen Dank, es hat Spaß gemacht.

(Das absolut unbearbeitete englische Original gibt es hier)

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